Über die Casterei

Caster sind nichts anderes als Menschen, die eine Vorliebe für und ein sehr ausgeprägtes sexuelles Interesse an Gipsverbänden haben. Das ist aber auch schon alles, was sich zusammenfassend sagen lässt. Denn der Fetisch ist so einzigartig wie jeder Mensch, der ihn hat. Es gibt Caster, denen es vollkommen genügt, andere Menschen mit Gips zu sehen und genau diesen Anblick besonders anziehend finden. Wiederum andere finden es erregend, selbst Gips zu tragen. Und es gibt auch die Caster, die sich eine Verletzung herbeisehnen, die einen Gips zur Folge hat, wobei wir ausdrücklich nicht zu dieser kleinen Gruppe zählen.

In vielen Fällen kombiniert sich der Gipsfetisch aus einer Vorliebe für andere medizinische Hilfsmittel, vom Rollstuhl über Krücken oder Verbände. Aber auch weithin bekannte Fetische kombinieren sich damit, von BDSM bis hin zum Fuß- und Beinfetisch. Die Ursache dieser Vorliebe ist genauso unterschiedlich wie ihre individuelle Ausprägung. Es kann durchaus vorkommen, dass der Fetisch bereits in der Kindheit präsent war, wenn auch nicht in sexueller Form. Bei wieder anderen sind es bestimmte Erlebnisse, etwa ein Unfall, der mit Gipsarm oder –bein endete, die jenes Interesse begründen.

Es ist jedoch fast allen Castern gemein, dass die Entdeckung der eigenen Vorliebe nicht gerade Freudensprünge auslöst. Der Erkenntnis, sich etwas zu wünschen oder sich an etwas zu erfreuen, was andere Menschen mit Schmerz oder anderen negativen Gefühlen verbinden, folgt vielfach die Einschätzung, „absonderlich“ und „krank“ zu sein. Auf jeden Fall fühlen sich viele mit dieser Vorliebe allein. Dabei ist es durchaus seltener, Menschen ohne jeglichen Fetisch und damit verbundene sexuelle Phantasien zu begegnen. Das Magazin Geo Special  widmet sich dieser Begebenheit in einem Artikel, der festhält, dass im Bezug auf Fetische die Ausnahme zur Regel wird.

Ein Fetisch ist Ausdruck der Vielfalt der menschlichen Sexualität.

Solange niemand dabei zu Schaden kommt, ist unserer Meinung nach alles erlaubt was Spaß macht. Die Bandbreite reicht von Vorlieben für Luftballons, Regenbekleidung, Autoreifen, Tierverkleidungen, Fellen und Wolle bis hin zum Quietschen von Eisenbahnschienen, um nur einige ähnlich harmlose Fetische zu erwähnen. Die Erfahrung zeigt auch, dass Gipsverbände weit mehr Menschen faszinieren, als in der Caster-Community aktiv sind. Ist man mit Gips in der Öffentlichkeit unterwegs und beobachtet die Menschen in seiner Umgebung, so nimmt man zwangsläufig einige verstohlene oder direkte, in jedem Fall aber sehr neugierige Blicke wahr. Menschen, die dabei ihre Umwelt völlig aus den Augen lassen und beim Anblick eines Gipsverbandes vor Begeisterung in Straßenlaternen oder parkende Autos laufen, sind keine Seltenheit. Wir reden in diesem Fall oft vom “latenten Caster”, Menschen, die ihr Interesse selbst noch nicht bemerkt oder sich nicht eingestanden haben.

Die Tabuisierung solcher persönlichen und sexuellen Themen in der Gesellschaft macht die Auseinandersetzung und Akzeptanz des eigenen „Anders-Seins“ aber nicht leicht. Bedauerlicherweise haben demzufolge nicht nur Außenstehende, sondern Caster selbst häufig die Vorstellung, andere Caster wären eine Gruppe abnormaler oder besonders schräger Personen. Wir durften bereits viele Mitglieder der Caster-Community persönlich treffen und können dieses Vorurteil aus eigener Erfahrung entkräften. Wenn sich eines herausgestellt hat, dann, dass die Gemeinschaft der Caster sich durch alle gesellschaftlichen, sozialen und beruflichen Schichten zieht.Und alle, die wir bisher getroffen haben waren immer sympathische, interessante Menschen aber niemals langweilig, schräg oder gar krank.

Ein Kommentar zu “Über die Casterei

  1. Sehr gut erklärt, ich werde da drauf zurückkommen, wenn ich es mal selbst erklären muss.

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