Caster-Treffen

Caster- Treffen sind nicht, wie man es vermuten würde, Gips-Orgien in großen Gruppen. Und wir sind auch stehts bemüht, dieses Bild aus den Köpfen anderer Caster verschwinden zu lassen.  Doch was sind solche Treffen nun wirklich?

 Was soll ich dort?

Eine durchaus berechtigte Frage. Ein so persönliches, intimes Thema. Warum sollte man das mit völlig Unbekannten diskutieren wollen? Niemand muss an einem Treffen teilnehmen, dies ist eine persönliche Entscheidung. Es gibt auch viele, denen an einem großen Treffen genau gar nichts liegt. Was für Gründe gibt es also? Wie wär‘s mit einem Blick über den eigenen Fetisch-Tellerrand? Menschen kennenlernen, mit denen man sich ungezwungen über dieses Thema und andere unterhalten kann? Neue Facetten kennenlernen? Und wem dieses Thema wirklich zu persönlich ist, zu intim um mit anderen darüber zu diskutieren, warum dann nicht einfach nur, um neue Menschen kennen zu lernen? Wer glaubt, dass nur die Casterei die Gespräche beherrscht, wird sehr schnell eines anderen belehrt. Die Themen sind so vielfältig und interessant wie die Teilnehmer. Wer ein großes Treffen scheut, kann sich aber auch gern zuerst persönlich mit anderen Castern treffen. Das muss jeder für sich entscheiden. Aber aus Erfahrung können wir sagen, es schadet nie, bei einem Treffen gewesen zu sein – im Gegenteil!

Wie läuft so ein Treffen ab?

Das kommt natürlich auf den Umfang und die Organisation des Treffens an, aber bei größeren Treffen z.B. dem in München ist es eigentlich immer sehr ähnlich. Meistens findet das Treffen über ein Wochenende statt. Ein beliebiger Caster erklärt sich zum Organisator und bucht einen Tisch in einem Lokal, in München ist es immer Müller. Dort trifft man sich an einem (meist Freitag-) Abend zum gemeinsamen Abendessen. Der Organisator legt fest, ob es sich um ein castloses Treffen handelt oder nicht, sprich also, ob das Erscheinen mit Gips, Schienen oder ähnlichem Zubehör willkommen oder unerwünscht ist. Ein castloses Treffen unterscheidet sich nach außen hin nicht vom Treffen eines Schachclubs. Häufig, insbesondere bei mehrtägigen Treffen, besteht jedoch nach dem gemeinsamen Abendessen für Interessierte die Möglichkeit, einen Gips zu bekommen. An den darauffolgenden Tagen unternimmt die Gruppe dann meist noch etwas zusammen, doch auch das ist kein Muss. Castd_shark hat das Treffen in München im Mai/Juni 2014 hier zum Nachlesen für Interessierte zusammengefasst.

 Wie erfahre ich, wo Treffen stattfinden?

Wo und wann ein Treffen stattfindet erfährst du entweder auf unserer Seite im Bereich Caster-Treffen oder im Brace & Cast Forum in der Rubrik Kontaktecke. Und wenn du gerade keines findest, das in deiner Nähe stattfindet kannst du dort auch selbst zu einem aufrufen oder eines organisieren.

Dafür bin ich doch zu alt/zu jung?

Das „richtige“ Alter gibt es nicht. Die jüngsten Teilnehmer, die wir kennenlernen durften, waren unter zwanzig Jahre alt, die ältesten jenseits der siebzig. Bei einem Treffen in München betrug der Altersunterschied zwischen ältestem und jüngstem Teilnehmer tatsächlich genau fünfzig Jahre, die beiden haben sich hervorragend miteinander unterhalten. Gegenseitiger Erfahrungsaustausch, gerade zwischen den Generationen, war bisher immer eine spannende Bereicherung eines gemeinsamen Abends, besonders wenn die etwas ältere Generation vom Caster-Dasein vor der Zeit des Internet erzählt.

 Was redet man da?

Über Gott und die Welt! Das Thema Casten ist erfahrungsgemäß bald erschöpft. Sich über die gegenseitigen Phantasien auszutauschen hilft kaum dabei, einen Menschen wirklich kennenzulernen. Natürlich wird der Bereich des Castens offen diskutiert, aber es ist nicht das beherrschende Thema – und intime Fragen bleiben außen vor.

 Was, wenn mich jemand erkennt?

Viele Treffen sind castlos – soll heißen, ohne Gips, Casts, Braces – aus dem simplen Grund, dass auch die Organisatoren wenig bestrebt sind sich mit einer Gruppe zu umgeben, die nach „Busunfall“ aussieht und entsprechend auffällt. Für Außenstehende ist nicht ersichtlich, in welcher Runde man sich befindet. Und muss man sich wirklich rechtfertigen, wenn man mit einer Gruppe Menschen einen gemeinsamen Abend oder Tag verbringt? Nun ist es immer noch möglich, dass man vielleicht einen Teilnehmer als Bekannten wiedererkennt. Ist das denn ein Problem? Man sitzt doch im gleichen Boot! CrazyCast etwa hat auf diese Weise einen ehemaligen Schulkollegen wieder getroffen, ähnliche Begegnungen sind uns von anderen Treffen bekannt. Wer dennoch Angst hat, einem bekannten Gesicht über den Weg zu laufen, kann sich ja mit Castern am anderen Ende Österreichs, Deutschlands oder Europas treffen – dann ist die Wahrscheinlichkeit schon relativ gering. Und wenn das zu weit ist, dann können wir auch nicht helfen.

 Was erzähle ich meinem Partner?

Träume nicht von einem anderen Leben, lebe Deinen Traum! Das ist unser Motto, wenn es ums Casten geht. Viele Caster wagen es nicht, selbst ihre Partner als engste Vertraute in ihr Geheimnis einzuweihen, vorwiegend aus Angst vor Zurückweisung oder gar Verlust mangels Verständnis. Diese Angst mag nicht ganz unbegründet sein, da, um mit diesem Thema konfrontiert werden zu können, eine aufgeschlossene Haltung der Partnerin oder des Partners unbedingt erforderlich ist. Auch in einer vermeintlich aufgeklärten Gegenwart finden sich immer noch gesellschaftlich tief verwurzelte Vorurteile gegenüber dem Thema Fetisch. Umso wichtiger für ein Outing ist ein gesundes Selbstbewusstsein sowie Selbstwertgefühl. Diese beiden Eigenschaften bestärken einen ungezwungenen Umgang mit der eigenen Leidenschaft. Unserer Erfahrung nach stärkt der persönliche Kontakt mit anderen Castern das individuelle Selbstvertrauen. Das Anerkennen der eigenen Leidenschaft, die kein „Leiden schafft“, sondern eine durchaus interessante Bereicherung des eigenen Lebens und Charakters darstellt, macht das Outing, das Erklären derselben um einen erheblichen Schritt einfacher.